Unterhaltung von Radwegen mangelhaft

Unterhaltung von Radwegen mangelhaft

Bürgermeister Thomas Berger hat anlässlich der am 6. Juni stattfindenden Fahrradkonferenz, zu der das Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg die Verantwortlichen landesweit eingeladen hatte, einen offenen Brief an die zuständige Landesbehörde geschrieben, in dem er sich über die mangelnde Pflege von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen beklagt. Hier der volle Wortlaut des Briefes:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich heute mit einem konkreten Problem an Sie, welches aber exemplarisch ist für einen allgemeinen Missstand. Der Ausbau des Radwegenetzes ist in den vergangenen Jahren zügig vorangeschritten. Sowohl an Bundesstraßen wie auch an den Landesstraßen kam es dort, wo begleitend Radwege errichtet worden sind, zu einer erheblichen Verbesserung der Sicherheit für Radfahrer, und dort, wo die Wege auch für Fußgänger angeordnet wurden, auch zu einer Verbesserung deren Sicherheit.

Was allerdings im gleichen Zuge zu beobachten ist, das ist eine Vernachlässigung der Unterhaltung der Radwege. Im Gegensatz zu den Straßen, die regelmäßig einer Straßenkontrolle unterzogen werden, und die bei Verunreinigung bzw. Blockierung unverzüglich repariert, gereinigt oder geräumt werden, stellt sich die Situation bei Radwegen extrem anders dar.

Teilweise dauert es nach sturmbedingten Blockierungen bzw. Verschmutzungen Tage bis Wochen, bis die Radwege wieder in einen sauberen Zustand versetzt werden. Ähnlich stellt es sich bei dem regelmäßigen Mähen der Seitenbereiche dar. Im vergangenen Jahr wurden die Seitenbereiche beispielsweise am Radweg entlang der B 246 zwischen Löwendorf und Schönhagen erst zum Herbstbeginn erstmalig gemäht, was in den Sommermonaten dazu geführt hatte, dass durch den Überwuchs der Radweg maximal noch in seiner halben Breite nutzbar war. Der stark bewaldete Bereich dieses Weges im Bereich Priedeltal war im Frühsommer sogar noch durch das Herbstlaub des vergangenen Jahres stark verunreinigt.

Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt auf der Internetseite des Ministerium die Förderung des Radverkehr als Zukunftsaufgabe dar. „Zurzeit werden in Deutschland rund 10 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad erledigt. Dieser Anteil soll in den kommenden Jahren deutlich erhöht werden (…) Um die Nutzung des Fahrrades insgesamt steigern zu können, sind viele Einzelmaßnahmen und Maßnahmenbündel aller Verantwortlichen erforderlich. Damit in Zukunft noch mehr Menschen in Deutschland das Fahrrad nutzen, müssen daher der Bund, die Länder sowie die Städte und Gemeinden an einem Strang ziehen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Umstieg bzw. Wechsel auf das Fahrrad ist eine gute Radverkehrsinfrastruktur, die die Nutzung des Fahrrades komfortabel und sicher macht.“ (BMVI, http://www.bmvi.de/DE/Themen/Mobilitaet/Strasse/Fahrradverkehr/fahrradverkehr.html).

Auch das Land Brandenburg setzt auf einen Ausbau der Radverkehrsquote durch Maßnahmen, die die Nutzung des Fahrrads attraktiver machen sollen. „Maßnahmen der Kommunikation sollen der Schaffung eines radverkehrsfreundlichen Klimas (Spaß am Radfahren) und der Sensibilisierung für den persönlichen Beitrag zur Gesundheitsförderung und Klimaschutz für heutige und künftige Generationen dienen“ (MIL, http://www.mil.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.544418.de)

Leider sieht die Praxis anders aus. Immer noch wird der Radverkehr im alltäglichen Unterhaltungsbetrieb stiefmütterlich behandelt, er wird extrem vernachlässigt. Alle noch so gut gemeinten Projekte zur Förderung des Radverkehrs laufen ins Leere, wenn im täglichen Geschäft der Unterhaltung solche gravierenden Unterlassungen auftreten, die den Radverkehr allgemein unattraktiv machen, und darüber hinaus eine erhebliche Gefährdung für die Radfahrer darstellen. Ein mit Laub oder Grasmaht verschmutzter Radweg oder die Blockade durch Zuwuchs bzw. Sturmschäden sind eine erhebliche Gefährdung des Verkehrs auf diesen Wegen.

Ich bitte Sie als zuständiger Landesbetrieb sich dafür zu verwenden, dass die regelmäßige Unterhaltung von Radwegen an Bundes- und Landstraßen genauso sorgfältig und regelmäßig erfolgt, wie es bei den Straßen schon lange der Fall ist. Radfahrer sind keine „Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse“. In Gegenteil, nach den offiziellen Zielvorgaben der Bundes- und Landesregierung sind Radwege sogar priorisiert, und deren Attraktivität ist mit allen Anstrengungen zu vergrößern (siehe o. g. Zitate).

Thomas Berger
Bürgermeister“